LUIGI TOSCANO
KANAKENKIND
Mit der Kamera durch Licht, Dunkelheit und Hoffnung. Vom Einwandererkind zum Fotografen der Holocaustüberlebenden.
Termine
2026
16.9. Frankenthal Stadtbibliothek
25.9. Heidelberg, Literaturherbst im DAI
15.10. Karlsruhe, Tollhaus
28.10. Leer, Zollhaus
16.11. Ibbenbüren, Stadtbibliothek
19.11. Ludwigshafen Stadtbibliothek
2027
26.1. Reutlingen, Frank K
12.3. Mannheim, Stadtbibliothek Herzogenried
21.3. Weinheim, Stadtbibliothek Weinheim
„Der Vorsatz hielt, bis mir in Frankfurt auf der „Scene“ jemand seinen Service anbot: Der „Dienstleister“ hilft dir dabei, das mitgebrachte Heroin aufzukochen, bereitet die Spritze vor, inklusive Filter, und verabreicht dir den Druck. Als Lohn darf die Person die Spritze mitsamt dem Rest darin behalten. Ich wollte nur noch die Lichter ausknipsen“...
Das Buch
Luigi Toscano: Der als »Kanakenkind« beschimpfte Sohn sizilianischer Einwanderer findet durch die Hinwendung zur Fotografie sein Ventil, weg von Gewalt und Vernachlässigung in der Kindheit, weg von dem Drogensumpf und der Straße.
Der Fotograf Luigi Toscano, von der UNESCO zum Artist for Peace ernannt, kämpft gegen das Vergessen, den wachsenden Hass, die grassierende Gefühllosigkeit. Toscanos eindringliche Porträts von mehr als 600 Opfern von Krieg und Grausamkeit sind weltweit zu sehen, in deutschen Bahnhöfen, in Babyn Jar, in Paris und New York. Sie sind Mahnung und Erinnerung: nie wieder.
Die Biografie des Fotografen der Holocaust-Überlebenden verbindet sich mit dem Leben von Anna Iwanowa aus Kiew, Herzstück seiner Ausstellungen. Anna, blond und blauäugig, wurde 1943 als Kleinkind von den Deutschen nach Auschwitz deportiert. Ihr Leben lang war sie auf der Suche nach ihrer Herkunft und ihrer Familie. Mit »Kanakenkind« beginnt Luigi Toscano eine Reise durch Zeiten und Räume, um Anna Iwanowas Identität zu erforschen.
Die Ausstellung in Genf, unterstützt durch die diplomatischen Vertretungen der Europäischen Union, Österreichs und Deutschlands, des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte sowie des Schweizer Aussenministeriums und des Jüdischen Weltkongresses, ist im Völkerbundpalast der Vereinten Nationen sowie auf der Place des Nations zu sehen. Wahnsinn. Das hätte mir mal jemand im Hausfrauenfotokurs in der VHS vorhersagen sollen. Und ich darf zur Weltgemeinschaft sprechen…
Manchmal schrieben die Lehrer das Datum des Schultags an die Tafel. Der 9. Mai. Dann fiel mir ein, ich habe ja heute Geburtstag! Da hatte ich freiwillig-unfreiwillig schnell wieder die Lacher auf meiner Seite. Der Lutschi. Der Italojunge. Geboren am 9. Mai 1972. Stier. Der Erstgeborene, der Stammhalter. Der erste Platz in der Familie, nach meinem Vater, in seiner Nachfolge.
Aus dem Heim in Hassloch fuhren wir jedes Jahr in die Ferien, in die Normandie. Ich hielt es nicht aus ohne Biggi. Harald gab mir 200 Franc, brachte mich an die Autobahn, und ich trampte zurück. Der haut sowieso ab, sagten die anderen Erzieher. Harald sagte das nicht.
Holger, der kluge Holger in seiner immerwährenden Korrektheit, rechnete im Kopf Kilometer gegen Benzin, wir hatten nicht mal genug Sprit für die Rückfahrt und tuckerten mit Tempo 30 über die B 10 durch den Pfälzerwald mit mächtig viel Rock-’n’-Roll-Gefühl nach Hause, Fatboy Slim in Endlosschleife, The Rockafeller Skank, wir wippten wie wild mit dem Oberkörper, brüllten immer wieder die Songline. Right about now, the funk soul brother! Check it out now, the funk soul brother!…..
Wir waren etwa 100 Jungen im Jugendhof, jeweils zehn in einer Gruppe. Die Gruppen hatten seltsame Namen, unsere war die Wolfsburg. Nun war ich einer von ihnen. In der Wolfsburg in Hassloch. Klang irgendwie nazimässig. Die Erzieher hatten die Macht, manche schlugen uns mit der flachen Hand, manche mit ihrem Schlüsselbund.
Ein italienisch sprechender Abgesandter holt mich am Eingang ab, rein ins Bellevue, gucken wir doch mal, was es da Schönes anzusehen gibt im Bellevue, Schönblick, und der Typ legt los, auf Italienisch, ich als Ausländer soll mich wohlfühlen mit meiner vermeintlichen Heimatsprache, ich bitte ihn, lieber mit mir Deutsch zu sprechen, obwohl bei uns zu Hause nur Italienisch gesprochen wurde, vielmehr geschimpft. .Passen Sie auf, ich möchte nicht Italienisch reden, sagte ich zu dem Referenten, ich will mich jetzt voll auf den Moment konzentrieren und das über die Bühne bringen.
Okay. Wahrscheinlich rochen wir gegenseitig unser Misstrauen. Misstrauen kriecht sich an und riecht nicht gut. .Herr Steinmeier, ich komme als Freund, nicht als Feind. Wenn ich als Feind gekommen w.re, h.tte ich Ihnen die Dinger vor die Fü.e geschmissen.. Der Protokollchef, immer im Hintergrund, jetzt geradezu ein bisschen bissig, betont die friedliche Absicht Steinmeiers, ich antworte, ich bin der Pazifist in Person.
Seit meiner Jugend träume ich von einem Motorradtrip durch die USA, seit Holger und ich die Keilertour mit Tempo 30 durchgestanden haben. Jetzt, da die Portraits von Philadelphia nach San Francisco reisen müssen, von der Ost- an die Westküste, steht fest: Diese Reise mache ich endlich, in einem Truck, mit den Bildern der Überlebenden. Wir bekleben den gemieteten Umzugswagen mit dunkler Folie, darauf: Wenn du gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit bist, unterschreibe hier...
Anna öffnet mir wie damals bei unserem Kennenlernen in ihrem roten Samtmäntelchen die Wohnungstür. Heute möchte ich sie offiziell fragen, ob sie sich einen Film über ihre Person vorstellen kann. Ihre Antwort, schnell, klar, konsequent: Nein. Nach einem längeren Schweigen, in dem ich hilf- und sinnlos in meiner Teetasse rühre, erklärt sie, dass sich das nicht lohne. Aussichtslos sei. Du wirst nichts finden, sagt sie und: Ich bin nicht so wichtig.
Herr Weinberg und ich, wir sind uns einig, dass wir richtig handeln: das Bundesverdienstkreuz an Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue zurückgeben, angesichts des Schulterschlusses des CDU-Kanzlerkandidaten Friedrich Merz mit der AfD, um mithilfe der rechtsextremen Partei den eigenen Wahlkampf mit einer Beschränkung der Einwanderung voranzutreiben. Albrecht Weinberg: Seit dieser Debatte im Bundestag steht hier so viel auf dem Spiel wie seit 1945 nicht mehr. Ein Tabubruch.
Presse
Beiträge und Berichte zu „Kanakenkind“ von Luigi Toscano
SWR1 Leute mit Nicole Köster: Luigi Toscano – ein sehr spannendes und bewegendes Gespräch
Fernsehen
ZDF Volle Kanne (17.03.2026, Beitrag ab 1:00:52): Volle Kanne – Service täglich mit Meltem Kaptan
SWR Kultur (22.03.2026): SWR Kultur Sendung in der ARD Mediathek
NDR Das! Rote Sofa!: Fotograf Luigi Toscano porträtiert Überlebende der NS-Verfolgung
Sat.1 Frühstücksfernsehen: Mit Spaß in den Gründonnerstag
WDR Aktuelle Stunde: Bundesverdienstkreuz zurückgegeben – Albrecht Weinberg und Luigi Toscano
SWR Aktuell: Bundesverdienstkreuz zurückgegeben – Luigi Toscano bei Steinmeier
ZDF: Wie Luigi Toscano einer KZ-Überlebenden hilft, ihre Familie zu finden
Arte Journal: „Schwarzer Zucker, Rotes Blut“ – Luigi Toscanos Dokumentarfilm
Radio und Podcast
Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch (07.04.2026): Den Überlebenden ein Gesicht geben – Fotograf Luigi Toscano
Bremen Zwei, Gesprächszeit (14.04.2026): Luigi Toscano war „Kanakenkind“ und ist heute gefeierter Fotograf
hr2 Doppelkopf: Doppelkopf mit Luigi Toscano, Fotograf und Filmemacher
SWR3 Talk mit Thees: Luigi Toscano: Wenn die Polizei zu uns nach Hause kam, dann habe ich mich immer geschämt
Zeitungen und Online
Stuttgarter Zeitung (23.04.2026): Luigi Toscano aus Mannheim: Fotograf und „Kanakenkind“
Wochenblatt Reporter Mannheim (06.08.2026): Als „Kanakenkind“ beschimpft: Wie Luigi Toscano gegen Hass kämpft
Mannheimer Morgen: Luigi Toscano liest in Mannheimer Pop-up-Redaktion aus „Kanakenkind“
Volksstimme / dpa (05.09.2026): Kunstaktion: Fotograf Luigi Toscano: Rechte dürfen nicht regieren
Videos zum Buch
Kanakenkind #1: Luigi Toscano über sein Buch – Identität, Kultur, Vorurteile
Kanakenkind #2: Meine erste Ausstellung in Italien – Civitella
Weitere Artikel und Rezensionen
Rhein-Neckar-Zeitung: Mit „Kanakenkind“ veröffentlicht Luigi Toscano seine Autobiografie
Die Rheinpfalz: Luigi Toscanos Buch „Kanakenkind“: Nichts Menschliches fremd
t-online: Warum Merz laut „Kanakenkind“ Luigi Toscano kein Rückgrat hat
t-online: Luigi Toscano über die AfD: „Sie missbrauchen unsere Demokratie“
Salzburger Nachrichten: Luigi Toscano im Porträt: Vom Heimkind zum Starkünstler
ARD Sounds, Blaue Couch: Vom „Kanakenkind“ zum Starfotografen
Geschichtenagentin (Blog): Kanakenkind von Luigi Toscano
Alexander Kästel (Blog): Kanakenkind von Luigi Toscano
Weitere Berichte
Alle Fernseh- und Videoberichte zu „Gegen das Vergessen“ finden Sie auf dem YouTube-Kanal von Luigi Toscano.
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Leserstimmen
Kundenrezensionen auf Amazon: 4,6 von 5 Sternen
„Bewegendes Buch“ (5 Sterne, Karlheinz): Das Buch macht Geschichte erlebbar, eben weil es Einzelschicksale erzählt. Die Überlebenden sind eben keine Nummern, sondern Schicksale.
„Unbedingt lesenswert!“ (5 Sterne, Dr. Margherita Zander): Ein sehr bewegendes Buch, angefangen mit den überaus schwierigen Lebensbedingungen, aus denen sich Luigi Toscano erst einmal in einem langen Weg mühsam herauskämpfen musste. Sehr gut geschrieben.
„Gerechtigkeit! Sühne!“ (5 Sterne, Dr. med. Annette Guérin): Luigi Toscanos Buch hat mich tief beeindruckt, sein Werdegang, sich wieder ins Leben zu kämpfen, sein Mut und unerschöpfliches Engagement für die Holocaustüberlebenden, gegen das Vergessen.
„Ehrlich & Echt“ (5 Sterne, Tabou Events): Ein Buch, das die Vielschichtigkeit aufzeigt. Danke für das wichtige Buch.
„Gut für alle, die unsere Geschichte mit dem Holocaust nicht verstehen“ (5 Sterne, Hans-Peter Rimbach): Sehr gutes Buch, lesenswert.
„Ihr wollt das nicht sehen? Ich zeige es euch trotzdem.“ (5 Sterne, Narzisse): Sein Buch hat mich mehrfach zu Tränen gerührt.
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Kanakenkind. Mit der Kamera durch Licht, Dunkelheit und Hoffnung. Vom Einwandererkind zum Fotografen der Holocaustüberlebenden. Gebundene Ausgabe, 368 Seiten, Verlag Herder, 30,00 € (gebundener Ladenpreis), ISBN 978-3-451-39907-7.